Endlich ist es fix: Die Bundesregierung hat am 6. Januar 2021 die Frauenquote für Unternehmensvorstände beschlossen.

Der lang umstrittene und heiß diskutierte Gesetzentwurf sieht vor, dass in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen
(> 2.000 Beschäftigte) mit mehr als drei Mitgliedern mindestens ein Spitzenposten mit einer Frau besetzt werden muss. In Vorständen von Krankenkassen und Sozialversicherungsträgern müssen in jedem Fall unterschiedliche Geschlechter vertreten sein, sofern der Vorstand aus mehr als einer Person besteht.

Die Quote kommt! Wir begrüßen den Kabinettsbeschluss zum FüPoG II (Führungspositionen-Gesetz), das das seit 2016 geltende Quotengesetz, in dessen Mittelpunkt eine Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte steht, verstärken soll. Dieser Schritt ist ein bedeutungsvoller Meilenstein im Hinblick auf die Gleichberechtigung und war längst überfällig. Die vergangenen Jahre haben eindringlich gezeigt, dass Freiwilligkeit bei diesem Thema nicht funktioniert. Einer Studie zufolge zählt bisher fast die Hälfte der börsennotierten Unternehmen (44 Prozent), für die eine Frauenquote künftig relevant wird, derzeit kein (!) weibliches Mitglied im Führungsgremium. Die neue Regelung ist also mehr als nur ein Signal. Der Staat gibt nun vor, dass sich in den Vorständen von Unternehmen auch Frauen befinden müssen. Die Gleichberechtigung in der Wirtschaft wird folglich endlich verbindlicher.

Und doch kann dies nur ein erster Schritt sein. Denn noch wird die gesetzliche Verpflichtung zunächst nur für ca. 100 Unternehmen, die börsennotiert sind und der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, gelten. Eine ECHTE Frauenquote würde eine klare prozentuale Verteilung der Geschlechter in Führungsgremien festschreiben. Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei den gesetzlichen Regeln für mehr Frauen in Führungspositionen weiterhin relativ schlecht ab. Die Vorstandsquote ist also ein wichtiger Schritt, aber ein kleiner. Wir werden uns weiter engagieren und auch die Kampagne #Ichwill unterstützen, zu deren prominenten Vertreterinnen u.a. Janina Kugel, Nora Bossong, Prof. Jutta Allmendinger (Preisträgerin Soroptimist Deutschland Preis 2012), Sigrid Nikutta, Natalia Wörner und Maria Furtwängler (eine der Soroptimist Deutschland Preisträgerinnen 2021) gehören.

In diesen außergewöhnlichen Tagen (mit Blick auf die Unruhen in den USA) ist es auch nochmal wichtig zu betonen: Basis für die Einführung der Frauenquote, die Wahrung der Frauenrechte und die Förderung der Gleichstellung ist immer eine FRIEDLICHE gewaltfreie Demokratie. Dieses hohe Gut sollten wir Tag für Tag wertschätzen und bewahren!

08.01.2021
Dr. Renate Tewaag
Präsidentin Soroptimist International Deutschland 2019 – 2021




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