SI-Mentoring 2017/18: Bericht über die Abschlussveranstaltung


Gruppenbild der Teilnehmerinnen

Begeisterte Mentees

Weil wir wissen wollten, wie das Mentoring-Programm von SI LEaR e. V. in der Praxis umgesetzt wird, nutzten wir - Präsidentin und Schriftführerin des Clubs Ostfriesland-Norden - die Möglichkeit, die allen Soroptimistinnen geboten wurde, und nahmen an der Abschlussveranstaltung SI-Mentoring 2017/18 im Seminarhotel Kloster Haydau in Altmorschen (bei Kassel) teil. Es erwartete uns an diesen beiden Tagen in einer sehr angenehmen Umgebung ein umfangreiches Programm, dessen Höhepunkt die Präsentation der 17 Tandems darstellte.

Bei der Begrüßung informierte Susanne Hattenkerl-Fischer, Vorsitzende von SI LEaR e. V., darüber, dass die jungen Mentees und ihre Mentorinnen in der Auftaktveranstaltung am 1. April 2017 im sogenannten Matching in Altmorschen zusammengefunden hatten. Das zweite Workshop-Wochenende fand in Ratingen statt, und zwischendurch trafen sich Mentorinnen und Mentees zur individuellen Tandem-Arbeit. Sie gestaltete sich sehr unterschiedlich, wie uns die kurzweilige Präsentation der Tandems vor Augen führte, die von Barbara Tigges-Mettenmeier, Projektleiterin SI-Mentoring, moderiert wurde. Meist wohnten Mentee und Mentorin nicht am selben Ort und gehörten unterschiedlichen Berufen an. Eine Ausnahme bildete das Berliner Tandem: In diesem Fall arbeiten sowohl Mentee als auch Mentorin auf der Museumsinsel.

Im Laufe des Mentoring-Durchgangs sind die Tandems zusammengewachsen, und aus den Mentees wurde eine fröhliche, verschworene Gemeinschaft. Nicht nur die jungen Frauen haben von dem Trainingsprogramm profitiert und ihre Persönlichkeit weiter entwickelt - auch die Mentorinnen lernten in den Workshops und durch die Treffen mit den Mentees einiges dazu. Das Netzwerk, das sich in dieser Zeit gebildet hat, wird die jungen Frauen vermutlich auch auf ihrem weiteren Lebensweg den Rücken stärken. Sie bedankten sich, indem sie Hattenkerl-Fischer einen Scheck über 1000 Euro überreichten. In dem Vernetzungsritual, das sich an die Urkundenübergabe anschloss, verewigten sich die Teilnehmerinnen in dem großen soroptimistischen Netz, das im Tagungsraum aufgespannt worden war. Die Schauspielerin und Trainerin Cornelia Schönwald nutzte das Netzwerk als Ausgangspunkt für eine fulminante Show, in der sie auch als Sängerin überzeugte. Am Sonntag stärkte sie in mehreren Workshops die Selbstpräsentationskompetenzen der Teilnehmerinnen.

Von SI Europa gefördert
Mit einem Sektempfang und einer Feier, die mit dem Abendessen begann, klang der Tag aus, an dem wir viel über das erfolgreiche Mentoring-Programm von SI LEaR, inzwischen Mitglied der deutschen Gesellschaft für Mentoring, erfahren hatten. Es wurde durch die Gesellschaft für Mentoring zertifiziert und von SI Europa mit 3000 Euro gefördert. Beim SI Europa-Kongress in Florenz hatte ein Tandem des letzten Durchgangs das Mentoring-Programm von SI LEaR mit viel Erfolg präsentiert, wie Hattenkerl-Fischer mitteilte.

„Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre - wie können die Hürden für erfolgreiche weibliche Berufskarrieren überwunden werden?“, lautete der Festvortrag der Familiensoziologin und Ökonomin Professor Dr. Uta Meier-Gräwe, Professorin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und Mitglied der Sachverständigenkommission des Gleichstellungsberichts der Bundesregierung. Sie zeigte auf, wie wichtig es ist, dass Frauen gefördert werden, damit sie in Führungspositionen gelangen und sich dort behaupten können – denn noch stoßen sie überall an die gläserne Decke. Die gilt es zu durchbrechen, damit die Situation von Frauen endlich verbessert wird - und gleichzeitig die der Betriebe: Nach Ernst & Young 2011 erwirtschafteten Unternehmen mit mehr als drei Frauen im Vorstand eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite. Firmen hingegen, die ausschließlich von Männern gelenkt wurden, lagen in allen Kennziffern unter dem Mittelwert aller Unternehmen.

Auch nach dem ersten Gleichstellungsbericht hat sich nichts geändert, und die Internationalen Frauentage zeigen alljährlich, dass die Gleichberechtigung zwar seit 60 Jahren im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht, aber noch immer nicht in der Wirklichkeit angekommen ist. Derzeit beträgt die unbereinigte Lohnlücke laut Meier-Gräwe 22 Prozent, haben Frauen ein um 49 Prozent geringeres Gesamterwerbseinkommen im Lebensverlauf als Männer (2016). Die eigenen Alterssicherungsleistungen von Frauen waren 2015 um 53 Prozent geringer als die von Männern. Dabei leisteten Frauen 2012 52 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als das andere Geschlecht.

Abschied vom Alleinverdiener-Modell
Mit der Lösung dieses Problems beschäftigte sich die Sachverständigenkommission für den Zweiten Gleichstellungsbericht, zu der auch Meier-Gräwe gehört. Das Ergebnis ist ein Gutachten mit dem Titel: „Erwerbs- und Sorgearbeit gemeinsam neu gestalten“, das im Internet heruntergeladen werden kann. Zu den gleichstellungspolitischen Zielen, die es umzusetzen gilt, gehören demnach die Vereinbarkeit von gutem Leben, Sorge- und Erwerbsarbeit, eine eigenständige wirtschaftliche Sicherung durch soziale Absicherung für unbezahlte Sorgearbeit und gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit.
Deutschland muss sich endlich von dem männlichen Allein- oder Hauptverdiener-Modell lösen, mit dem es in der OECD-Studie „Dare to Share“ das Schlusslicht unter 15 ausgewählten Ländern bildet. Im Erwerb- und Sorge-Modell, das es anzustreben gilt, werden Frauen und Männer gleichermaßen als Erwerbstätige mit Betreuungs- und Fürsorgeaufgaben für Kinder und pflegebedürftige Angehörige definiert. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird die digitale Arbeit eine bedeutende Rolle in der Zukunft spielen. Die Digitalisierung aller Lebensbereiche ist auch das zentrale Thema der SID-Präsidentin Gabriele Zorn, die auf der Abschlussveranstaltung von SI LEaR über Soroptimist International informierte.
„Mentoring ist wichtig, wertvoll und hilfreich, auch für Mentorinnen“, ist einer der Impulsvorträge überschrieben, die am Sonntag von Annette Menzel, Koordinatorin von SI-Team Mentoring, anmoderiert wurden. Wie Gabriele Sämann aus Erlangen informierte, bekamen 25 Prozent der Teilnehmerinnen an einem Mentoring-Programm danach mehr Gehalt und wurden Mentees fünf- bis sechsmal häufiger befördert; auch bleiben die Teilnehmerinnen eines Mentoring-Programms erheblich länger in der Organisation. Laut einer Umfrage des Harvard Business Review haben Mentoren Menschen auf der höchsten Führungsebene zu jeweils 84 Prozent geholfen, kostspielige Fehler zu vermeiden und schneller professionell in ihrer Rolle zu agieren. 69 Prozent haben durch einen Mentor bessere Entscheidungen getroffen. „Mentoring ist eines der besten Personalentwicklungsinstrumente“, betonte Sämann.

Umgang mit VUCA lernen
In einem weiteren Impulsvortrag befasste sich Annette Menzel mit „Führungsstilen der Zukunft und Mentoring“. Ihr Fazit: „Der Führungsmensch der Zukunft ist weiblich“, das heißt, er versteht sich als Teil eines demokratisch agierenden Teams. Der ideale Führungsstil im digitalen Zeitalter sei empowernd, beziehungs- und gesundheitsorientiert. Zu der neuen Kernkompetenz für Mitarbeiter und Führungskräfte gehöre der Umgang mit VUCA: Volatility (Unbeständigkeit), Uncertainty (Ungewissheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit).

Verena von Tresckow-Bronke, Vize-Präsidentin von SI Europa, und Katrien Wayenberg vom „SI Europe Task Force“ informierten schließlich über „SI Europa und Mentoring – International“. Die „Task Force Mentoring“ hat im Biennium 2015 - 2017 ein Papier entwickelt, um das Mentoring-Programm auf dem SIE-Level voranzubringen.

 



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