Brigitte Seibertz Plötzlich Mentee oder wie alles begann.....

Mein Ärger darüber hat mich ganz gezielt nach Karrierenetzwerken für Frauen suchen lassen. Über einen ziemlich alten FOCUS-Bericht im Internet zum Thema weibliche Karrierenetzwerke bin ich auf Soroptimist International aufmerksam geworden. „Soroptimist, nie gehört“ dachte ich mir.


„Bewusstmachen – Bekennen – Bewegen in einer lebendigen, dynamischen Organisation von Frauen, die Fragen der Zeit aufgreifen und sich gesellschaftspolitisch engagieren“. Das waren die ersten Aussagen auf der Homepage, die mich ganz tief beeindruckt und angesprochen haben. Als ich dann die Ausschreibung für das Mentoring-Programm entdeckte, war ich vollends begeistert. Eine zentrale Aussage, die mir dazu im Gedächtnis geblieben ist: „Sie (die Mentees) sollen in ihrem Karriereschritt, gestärkt durch die Mentorinnen, ihren Weg finden“.


Die Bewerbung sollte eine ausführliche Begründung für die Motivation an der Teilnahme enthalten. Rückblickend war für mich die Frage zentral, ob es Frauen generell schwerer haben Karriere zu machen oder ob es „an mir liegt“. Ganz wesentlich war dabei das Dilemma, dass es nirgendwo in meinem beruflichen und privaten Umfeld eine Frau mit einer „Karriere“ gab, die ich dazu hätte fragen können. Weibliche Berufsvorbilder waren und sind in meinem männlich geprägten Berufsumfeld nicht nur Mangelware, sondern  – noch schlimmer – gar nicht vertreten.


Schon bald nach Einsendung meiner Bewerbung kam die Einladung zum Gruppenauswahlverfahren – ich hatte es tatsächlich in die engere Wahl geschafft. Aufgeregt und gespannt, was mich erwarten würde, fuhr ich am 9. Mai 2015 nach Paderborn.
Zum Glück zeigte sich schon beim ersten Eindruck, dass es sich um eine seriöse Veranstaltung handelt, die sowohl auf der „Beobachterinnen“- als auch auf der potentiellen Mentee-Seite von Herzlichkeit, Wohlwollen und hoher Professionalität geprägt war. Uns wurde mitgeteilt, dass aus den anwesenden Bewerberinnen noch einmal 14 Personen ausgewählt werden sollten. Zwei Tage später – zufälligerweise an meinem Geburtstag – bekam ich die Rückmeldung, dass ich im Mentoring-Programm bin.


Die Auftaktveranstaltung vom 19. - 21.06.2015 mit dem „Matching“ – also der Vorstellung der Tandems aus Mentorin und Mentees – fand wie die folgenden Workshop-Wochenenden im Kloster Haydau in Morschen (bei Kassel) statt. Vorher hatten die Mentees Gelegenheit einander kennenzulernen. In einem Workshop, geleitet von Frau Tigges-Mettenmeier und ihrer Assistentin, Frau Peters, ging es um die Ziele im Mentoring wie Karriere, Entwicklung und Unterstützung sowie die Rolle der Mentorin und der Mentee. Ein ganz zentraler Punkt in der Tandemarbeit ist das Feedback innerhalb der Tandems.

Im Workshop für die Mentees wurde genau das erklärt und geübt, sowie die Beziehungsdimension (Miteinander auf Augenhöhe) zwischen Mentorin und Mentee. Zeitgleich wurden die Mentorinnen zu den Themen Rollenklärung sowie Arbeitsmethoden im Mentoring geschult. Höhepunkt der Veranstaltung war das Matching, eingeleitet durch den Erfahrungsbericht einer ehemaligen Mentee und einer Mentorin sowie der anschließenden Vorstellung der Tandems. Abschluss der Auftaktveranstaltung war das erste Tandemtreffen, für das es einen sehr gut gestalteten Gesprächsleitfaden gab.


Die meisten Tandems treffen sich einmal im Monat für ca. 2 Stunden. Organisatorische Themen oder spontan aufgetretene Fragen zur Führung werden gemeinsam geklärt. Die Mehrheit der Tandems hat ein sehr offenes, vertrauensvolles z. T. auch persönlich-/freundschaftliches Verhältnis. Sehr schön begleitet wurde die Tandemarbeit von unserer Ansprechpartnerin auf Mentee-Seite, Katrin Raible.


Die Mentees untereinander haben mehrere Kommunikationskanäle, wie z.B. eine XING-Gruppe, eine Whatsapp-Gruppe und einen E-Mail-Verteiler, die je nach Bedarf genutzt werden.


Das 1. Workshop-Wochenende – gemeinsam mit Mentees und Mentorinnen - vom 25. - 27.09.2015 begann mit  einem zusätzlichen Angebot für uns Mentees. Frau Tigges-Mettenmeier hat uns die „Kollegiale Fallberatung“ vorgestellt. Wir lernten als Reflexion der Tandems zur gemeinsamen Arbeit die Methode des World Cafés kennen. Danach gab es getrennte Workshops für die Mentorinnen (Beratungskompetenz) und Mentees (Positionierung, Selbststeuerung und Zielbestimmung).

Frau Dr. Marion Duparré hat uns Mentees auf sehr unterhaltsame Weise gezeigt, welche Einstellungen unsere Souveränität und unser Selbstbewusstsein stärken und welche nicht, wie gutes Selbstmarketing funktioniert, wo und wie man es anwendet und welchen Einfluss Körperhaltung und Stimme darauf hat. Als Schlagwort für die Zielbestimmung gilt unter uns Mentees seitdem „seien Sie die Rose auf der Gänseblümchenwiese“. Den Abschluss-Vortrag hat Frau Prof. Anja Iseke mit dem Thema „Netzwerke(n) für die Karriere“ gehalten.


Am 2. Workshop-Wochenende - nur für Mentees - vom 15. - 17.01.2016 hat am Ankunftsabend der Austausch über die Tandemarbeit im Vordergrund gestanden. Der sehr interessante Samstag-Workshop wurde von Frau Kersten-Regenstein zum Thema „Resilienz – wie Sie mit dem Tiger tanzen“ gehalten. In diesem Zusammenhang wurde das Thema individuelle Stressbelastung mit Möglichkeiten zur Stressbewältigung thematisiert. Bei den Workshops am Sonntag ging es um das Thema „Persönlichkeitsstruktur“. Die Mentees hatten im Vorfeld die Wahl zwischen zwei verschiedenen Methoden. Der Motiv-Struktur-Analyse MSA® (Moderation Annette Menzel) und der Kompetenz-Diagnostik und Entwicklung KODE® (Moderation Barbara Tigges-Mettenmeier).


An allen Workshop-Wochenenden fand ein gemeinsamer Abend mit Vertreterinnen diverser SI-Clubs statt, die sich und ihre Projekte vorgestellt haben. Dadurch erhielten wir sehr interessante Eindrücke von den Clubs, deren Engagement und den verschiedenen, sehr beeindruckenden Frauenpersönlichkeiten.

Besonderen Eindruck haben auch Frau Barbara Kohl (seinerzeit Präsidentin elect von SI Deutschland) und Frau Magdalena Erkens (damals SID-Präsidentin) hinterlassen, die die Auftaktveranstaltung mitgeprägt haben. Ihr Wohlwollen und Stolz auf das Mentoring-Programm begleiten uns auf eine sehr angenehme Weise. Es ist das genaue Gegenteil vom „Queen-Bee-Effekt“: ein Vorleben der Devise „Bewusstmachen – Bekennen – Bewegen“.


Mein persönliches Fazit im letzten Drittel des Mentoring-Programms ist sehr positiv. Durch den Austausch mit den Mit-Mentees hat sich noch einmal gezeigt, wie viele Parallelen es in unseren Berufsbiographien gibt und wie ähnlich die Hindernisse sind. Die Anregungen meiner Mentorin haben mir ganz neue Sichtweisen aufgezeigt. Es haben sich viele Veränderungen fast „wie von selbst“ ergeben, einfach nur, weil ich mich in meinen Entscheidungen durch ihr Feedback bestärkt gefühlt habe.

 

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