Ein Mentoring-Wochenende in Leipzig

Beim 1. Workshop nach der Auftaktveranstaltung im SI LEaR Mentoring Durchgang 2019/20 trafen sich Mentees und Mentorinnen in Leipzig zu einem Wochenende. Erfreulicherweise trafen wir uns in einem Hotel Neubau in der Nähe des Bahnhofs, der angenehm klimatisiert war. Somit konnten wir uns entspannt auf den Inhalt der Veranstaltung konzentrieren, während vor der Tür bis zu 38,4 °C im Schatten gemessen wurden. Das gemeinsame Ankommen am Freitagabend wurde bereichert mit der Vorstellung von SI-Clubs der Region und ihren Projekten. Das Herzensprojekt „Kleine Arche“, das Kinder aus benachteiligten Familien in einem sozialen Brennpunkt der Stadt unterstützt, wurde von den Sorores aus dem Club Dessau-Wörlitz so lebendig und mitreißend vorgestellt, das jeder Zuhörer sich sehr gut vorstellen konnte, wie nun schon im 13. Jahr ein Adventskalender gestaltet wurde und wie hilfreich diese gemeinsame Aufgabe auch für den Zusammenhalt des Clubs ist.

Aus dem Club Leipzig wurden ebenfalls verschiedene Projekte vorgestellt, wie z.B. die Ernst-Zinna-Förderschule, wo Sorores gemeinsam mit den Kindern in den Zoo gehen und ihnen dort ein Eis spendieren. Netzwerken ist ein elementarer Bestandteil bei SI und vor allem beim Mentoring, weshalb am Samstag dies zum Kennenlernen der Mentees und Mentorinnen in Form eines World Cafés mit verschiedenen Fragen und zum Austausch zur Tandemarbeit stattfand. Nachmittags waren Mentees und Mentorinnen getrennt in eigenen Workshops. Während bei den Mentorinnen die Beratungskompetenz vertieft wurde, konnten die Mentees sich mit dem Thema eigene Positionierung und Kommunikation beschäftigen. Nach dem gemeinsamen Abendessen konnte man zum Thema Biografiearbeit die Lebensläufe der Frauen auf sich wirken lassen. Am Sonntag wurde in interaktiven Vorträgen aus dem Vorstand des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung (FraGes) der Universität Leipzig das Thema Geschlechterforschung aus drei verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Frau Anna Artwinska, Professorin der Slawistischen Literaturwissenschaft, ist Direktorin des FraGes und begann mit der Historie. Die Universität Leipzig wurde am 2. Dezember 1409 gegründet und ist somit die zweitälteste durchgängig bestehende Universität in Deutschland. Nach 967 Männern wurde zum ersten Mal im Jahr 2011 mit Frau Prof. Dr. Beate Schücking eine Frau Rektorin.

Das Studium war fast 500 Jahre lang Männern vorbehalten. Frauen waren seit 1870/71 erstmals als Gasthörerinnen geduldet und durften jedoch keine Prüfungen ablegen. Nachfolgend veranschaulichte Frau Dr. Petra Tzschoppe als Fachgebietsleiterin Sportsoziologie die Geschlechterforschung aus Sicht des Sports. Bei sportlichen Wettkämpfen ist das Geschlecht eine Kategorie der Einteilung und des Vergleichs. Allerdings ist die Partizipation und der Sportpraxis in der Vergangenheit und Gegenwart für das weibliche Geschlecht schwierig, weil Mädchen und Frauen lange Zeit ausgeschlossen waren, wie z.B. beim Fußball oder Skispringen etc. Eine Begründung von Moritz Kloss aus Leipzig im Jahr 1855 galt bis vor wenigen Jahren auch noch für das Skispringen: „… man darf nicht übersehen, dass der weibliche Körper seiner Bestimmung gemäß nach unten geöffnet ist, so dass bei heftigen Leibesübungen gar leicht Vorfälle entstehen können… übermäßige Schritte, Spreizstellung, hohe Sprünge sind deshalb aus dem weiblichen Turnunterricht auszuschließen.“

So dürfen Frauen bei den Olympischen Spielen erst seit 2014 am Skispringen teilnehmen. Zuletzt betrachtete ich die Geschlechterforschung in der Humanmedizin. Als Ärztin habe ich ein besonderes Interesse auf dem Gebiet der Gesunderhaltung im Sinne „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Ob das Geschlecht eine Rolle spielt bei der Entwicklung verschiedener Erkrankungen, können nur entsprechende Untersuchungen in Studien zeigen, die es allerdings erst seit zehn Jahren gibt. So gibt es Hinweise, dass Nachtarbeit bei Frauen aus Europa und Nordamerika mit einem erhöhten Krebsrisiko bei Brust-, Magen- oder Hautkrebs assoziiert ist. Medikamentenstudien werden an jungen gesunden Männern getestet. Dabei schlagen Therapien bei den Geschlechtern unterschiedlich an. Am Ende konnte ich zeigen, dass wir Frauen uns auf den Kaffee freuen können. Mehr als drei Tassen am Tag sind mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert, das allerdings nur bei Männern auftritt. Gern hätte ich allen anwesenden Sorores und Mentees die Stadt Leipzig gezeigt. Allerdings war das Wochenende so interessant und voll gepackt mit Mentoring, weshalb dafür leider keine Zeit war. Da Leipzig immer eine Reise wert ist, ist jede herzlich willkommen und wird von uns gern durch Leipzig geführt.

Iris Chaberny, Club Leipzig


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