Ausgangslage


Ein Großteil der syrischen Kinder im schulpflichtigen Alter, die als Flüchtlinge mit ihren Familien in die Türkei gekommen sind, hat keine Möglichkeit, eine Grund- oder weiterführende Schule zu besuchen. In der Provinz Mardin/Südosttürkei, wo auch weiterhin täglich neue Ströme an Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause ankommen, ist der Bedarf an Schulen besonders groß. Schätzungen zufolge leben hier inzwischen 40.000 - 50.000 schulpflichtige Kinder.


Projektbeschreibung


In Zusammenarbeit mit den türkischen lokalen Behörden unterstützt die Welthungerhilfe seit Oktober 2014 den Betrieb einer Schule in Mardin für 400 syrische Schülerinnen und Schüler. Seit Januar 2015 wird dieses Projekt durch Spenden von Soroptimist International Deutschland finanziert. Geplant war eine Unterstützung bis zum Ende des Schuljahrs im Juni 2015. Aufgrund der hohen Spendeneinnahmen von SI Deutschland durch zahlreiche Aktionen und Einzelspenden (bis Mitte Juni ca. 100.000 Euro) wird die Unterstützung syrischer Flüchtlingskinder im nächsten Schuljahr 2015/2016  durch SI Deutschland fortgeführt. Detaillierte Planungen für das neue Schuljahr erfolgen im August/September 2015.

 

Partner vor Ort

 

Lokaler Partner vor Ort ist der gemeinnützige Verein MSSP (Mardin Syrien Solidarity Platform), der seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im Bereich der humanitären Hilfe für Flüchtlinge tätig ist. Die Arbeit konzentriert sich auf die Stadt Mardin in der Provinz Mardin im Südosten der Türkei. In Mardin Stadt leben ca. 20.000 syrische Flüchtlinge. Neben akuter Nothilfe, wie der Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung, fördert MSSP auch Bildungsangebote. MSSP betreibt das „Mardin Community Center“ – eine erste Anlaufstelle für jegliche Belange der Flüchtlinge - und hat somit einen sehr guten Ein- und Überblick über Anzahl, Bedarfe und Situation der Flüchtlinge in und um Mardin.

 

Umsetzung/Projektimplementierung

 

Schulbetrieb

Seit Januar 2015 wird die o.g. Schule in Mardin von SI Deutschland finanziert. Täglich besuchen durchschnittlich 375 Mädchen und Jungen die Schule und nehmen am Unterricht, der in ihrer Muttersprache Arabisch unterrichtet wird, teil. Neben den regulären Schulfächern wird auch türkischer Sprachunterricht angeboten. Seit Dezember 2014 war die Schule durch die türkischen Behörden in einem leerstehenden ehemaligen Schulgebäude etwas außerhalb der Innenstadt untergebracht. Aufgrund des schlechten baulichen Zustandes des Gebäudes und der starken Schneefälle und Kälte bis in den Februar 2015 hinein, bot eine türkische Grundschule in der Innenstadt den syrischen Schülern und Lehrer ihre Räumlichkeiten vorübergehend für den Nachmittag an. Somit kann vormittags regulär der Unterricht für die türkischen und ab mittags der Unterricht für die syrischen Schüler stattfinden. Im März 2015 wurde dem Schulbetrieb durch das türkische Bildungsministerium ein offizieller Status verliehen, somit wird die monatliche Aufwandsentschädigung für die Lehrer (529 Türkische Lira/ca. 180 Euro) rückwirkend seit Februar durch das Ministerium übernommen. Seit Mitte Mai 2015 findet der Unterricht wieder im ursprünglich zugeteilten Schulgebäude etwas Außerhalb der Innenstadt statt.

 

Transport

Seit der Übernahme der Transportkosten für 400 Kinder monatlich, ist eine nachweisliche Stabilität hinsichtlich der Schülerzahlen zu vermerken. Die Flüchtlingsfamilien leben in und um Mardin Stadt verteilt. Für viele Eltern käme ein Schulbesuch ihrer Kinder ohne die Übernahme der Kosten für den Bus gar nicht in Frage. Da viele Kinder zum Familieneinkommen durch Nebenjobs oder durch das Hüten der jüngeren Geschwister während die Eltern arbeiten, beitragen müssen, können sie nur tageweise am Unterricht teilnehmen. Trotzdem halten wir es für wichtig, dass bei denjenigen, die nur tageweise zum Unterricht kommen, die Möglichkeit für einen regelmäßigen Schulbesuch aufrecht erhalten bleibt. Der Bedarf ist groß: die Schulleitung teilt mit, dass weitere 200 – 250 Schüler auf der Warteliste für eine Kostenübernahme des Bustickets stehen.

 

Resümee und Ausblick

Nach wie vor flüchten täglich viele Menschen aus Syrien und dem Irak vor Krieg, Terror und Zerstörung und kommen über die noch wenigen geöffneten Grenzposten in die Türkei. Da die offiziellen, von den türkischen Katastrophenschutzbehörden geführten Flüchtlingslager weitestgehend ausgelastet sind, siedeln sich die Flüchtlingsfamilien nach ihrer Ankunft in grenznahen Städten wie z. B. Mardin an und finden einen notdürftigen Unterschlupf häufig nur in Hinterhöfen, Verschlägen oder Garagen – ohne Zugang zu Wasser oder sanitären Anlagen. Es sind vor allem die Kinder dieser Familien, die außerhalb der Flüchtlingscamps leben, die in die von SID finanzierte Schule gehen und auf eine Unterstützung bei den Transportkosten angewiesen sind. Der Schulbesuch gibt vielen Kindern Stabilität und ein Stück Normalität in ihrem entwurzelten und entbehrungsreichen Alltag und eine Chance, sich später beruflich zu qualifizieren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.Die Erteilung eines offiziellen Status und die Übernahme der Aufwandsentschädigung für die Lehrer durch die türkischen Behörden, honoriert die gute Arbeit der Schulleitung und Lehrer. Diese sehr positive Entwicklung ermöglicht es uns, die ursprünglich für Gehälter eingeplanten Gelder für andere dringend notwendige Dinge einzusetzen, die den Kindern zu Gute kommen.Wie sich der Umzug der Schule zurück in das alte Gebäude auswirkt und ob sich dieser Standort langfristig halten lässt, muss noch abgewartet werden. Dieses Gebäude ist zwar im Gegensatz zu der türkischen Übergangs-Schule (hier sitzen die Kinder teilweise zu dritt an einem Tisch), recht groß, so dass zukünftig mehr Schüler aufgenommen werden könnten. Sie ist aber sehr stark reparaturbedürftig. Zurzeit warten wir noch auf eine Rückmeldung, welche Instandsetzungs- und Instandhaltungskosten von den türkischen Behörden übernommen werden. Außerdem stehen die Schulferien unmittelbar bevor, d. h. auch die zuständigen Behörden haben geschlossen oder arbeiten nur eingeschränkt. Eine verlässliche Planung, welche konkreten Maßnahmen neben den notwendigen Transportkosten für wie viele Schülerinnen und Schüler im neuen Schuljahr durch SI Deutschland finanziert werden können, kann erst im August/September 2015 erfolgen.


Kostenaufstellung* Januar – Juni 2015

 

Gehalt (Aufwandsentschädigung)
180 € für 24 Lehrer/Januar 2015                       4.320 €

Transportkosten/Schülertickets
für 400 Schüler                                                37.700 €

Reparatur Dach                                                 1.180 €

Schulbedarf u. Ausstattung                                  420 €

Unterrichtsmaterial für Lehrer
(25 Sets á 135 €)                                              3.375 €

Schulbedarf u. Unterrichtsmaterial für Schüler
(400 Sets á  25 €)                                           10.000 €

Sport- u. Freizeit-Ausstattung
(3 Sets für je 150 Kinder á 220 €)                        660 €

Erste-Hilfe-Ausstattung
(3 Sets á 80 €)                                                     240 €
                                                                          

                                                                        57.895 €

     

     

     

    *Anpassung/Änderung der Zahlen aufgrund von Kursschwankungen Türk.Lira/Euro möglich

     

    Weitere Informationen finden Sie im Internet:

    http://www.welthungerhilfe.de/eine-schule-fuer-fluechtlingskinder.html

     

     

    Soroptimist International Deutschland bittet um Spenden auf das Konto des Soroptimist Hilfsfonds e.V.

     

    Spendenkonto:

    Stichwort „Flüchtlingshilfe“

    Konto-Nr. 040 900 300, BLZ 670 700 10

    IBAN: DE83670700100040900300

    BIC: DEUTDESMXXX

     

    Projektbeschreibung "Schule für Flüchtlingskinder"

    Zwischenbericht "Schule für syrische Flüchtlingskinder"


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