Club Offenburg-Ortenau begleitet Flüchtlingsmädchen ins Berufsleben

Das Gesetz zur Integration von Flüchtlingen garantiert eine der wichtigsten Grundlagen für eine gelungene Integration, nämlich das Erlernen der deutschen Sprache. Dafür wird derzeit relativ gut gesorgt und Flüchtlingskinder werden auch in zufriedenstellendem Maße in den schulischen Alltag eingegliedert. Doch fehlen noch langfristige Konzepte des produktiven Umgangs mit sprachlicher, religiöser und kultureller Vielfalt in- und außerhalb der Schulen. Es fehlt oft interkulturelles Training.

Der Club Offenburg-Ortenau hat ein Projekt zugunsten von Flüchtlingsmädchen im Alter von 14-16 Jahren gestartet, um sie beim Übergang vom Schul- zum Berufsleben zu begleiten. Ein besonders heikles Thema für diese jungen Frauen. Weniger gute bzw. schlechte Sprachkenntnisse, mangelndes Netzwerk mit Deutschen und, im Falle von jungen Mädchen, ein besonders patriarchalisches Verständnis von Geschlechterrollen führen dazu, dass deutlich weniger muslimische junge Frauen sich trauen, einer Arbeit nachzugehen. Mit dem Projekt „Ich zeig‘ Dir was!“ möchte der Club Mädchen, die vor der Entscheidung Beruf oder (arrangierte) Heirat stehen, ermutigen, an ihre Fähigkeiten zu glauben und den Weg zu finden, der ihnen ein relativ selbständiges Leben in unserer Gesellschaft ermöglicht. Das Projekt sieht deshalb vor, eine feste, kleine Gruppe von Mädchen im oben genannten Alter und mit unterschiedlichem Migrationshintergrund zusammen mit deutschen Mädchen derselben Schule auf das Leben außerhalb und nach der Schule, sowie außerhalb ihres familiären Umfelds und ihres Viertels, vorzubereiten. Sie sollen Stadt und Region, deutsche Tradition und Lebensweise entdecken und versuchen, selbst und/oder in der Gruppe Antworten auf gesellschaftliche und kulturelle Fragen zu finden. Die Kunst in all ihren Formen wie Fotografie, Malerei und Tanz soll dabei ein Vehikel sein, soll helfen, sich des anderen Lebens in der neuen Umgebung bewusst zu werden. Sie soll helfen, die gesellschaftlichen, sowie kulturellen Unterschiede besser zu verstehen und zu verkraften.

Das Projekt heißt „Ich zeig‘ Dir was!“ Getragen von ihrer natürlichen Neugier und ihrem Mitteilungsbedürfnis, und darin unterstützt von Dozenten, sollen die Mädchen auf eine gesellschaftliche Entdeckungsreise gehen. Über das persönliche Gestalten sollen sie Wege für ihre persönliche Integration in unsere Gesellschaft finden. Dies ist die tragende Säule dieses Ateliers, das Kunst und Coaching zum Zwecke der Selbstfindung vereint.

Dieses Projekt wird in drei Varianten durchgeführt:

Der erste Durchlauf hat bereits in Zusammenarbeit mit der Astrid-Lindgren- Werkrealschule und der Kunstschule Offenburg stattgefunden. 15-16jährige Mädchen mit folgendem sozio-kulturellen Hintergrund: Sri Lanka, Afghanistan, Irak (Yesidinnen), Syrien, Albanien, Deutschland), haben zehn Monate lang mit Dozenten der Offenburger Kunstschule gearbeitet. Reflexionen über „Wer bin ich, wo stehen ich nun und was kann ich als junge Frau hier in dieser neuen Gesellschaft anstellen?“ wurden künstlerisch umgesetzt. So haben sie sich eingehend mit sich selbst (Selbstporträts und Fotografie) beschäftigt, bzw. sich in der Konfrontation mit dem Thema Umwelt (Tonarbeiten) und der eigenen Situation in der Offenburger Gesellschaft (Aktion Weltfrauentag) auseinandergesetzt. Letztendlich haben sie auch eine kleine Fotoausstellung gestaltet und an der Gestaltung des Internationalen Frauentags 2017 mitgewirkt.

Der zweite Durchlauf endete mit dem Schuljahr und einer Filmvorführung im Forum-Kino Offenburg. Im Rahmen einer Video-AG der Klosterschule Offenburg konnte ein Videofilm über das Thema „Frau sein heute in Deutschland“ erstellt werden. Kompatibilität von Familie und Beruf, Engagement in der Gesellschaft und Selbstbewusstsein sind Fragen, die mithilfe von Interviews ihre Antworten gefunden haben. An diesem zweiten Teil des Projekts haben Gymnasiastinnen und Werkrealschülerinnen der Astrid-Lindgren-Schule Offenburg teilgenommen unter der Leitung einer Filmproduzentin und einer Lehrkraft des Klostergymnasiums. Die DVD des Films ist über die Website des Clubs Offenburg-Ortenau erhältlich.

Der dritte Durchlauf des Projekt wird über ein Schuljahr in Kehl durchgeführt mit der Tulla-Realschule Kehl als Partner. Mädchen mit Migrationshintergrund und deutsche Mädchen sollen gemeinsam über ihre Zukunft nachdenken und sich in ihre Zukunft hier in Deutschland und Europa hineinprojizieren. Ziel soll ein Comic-Heft sein, das natürlich Themen wie Frausein heute in Deutschland oder Berufswahl, aber auch Sprachprobleme und Interkulturalität erwähnt. Texte in den verschiedenen Sprachen der Mädchen, ursprüngliches und neues Kulturfeld, sowie die unterschiedlichsten Kunstarten (Malerei, Zeichnen, Foto) sollten berücksichtigt werden.

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