Programmtreffen 2017 in Nürnberg - "Interkulturelle Sensibilisierung"

Das Programmtreffen in Nürnberg zum Thema "Interkulturelle Sensibilisierung" war geprägt durch die Persönlichkeit der Referentin Ayse Özbabacan mit türkischen Kulturwurzeln.


Obgleich sie seit ihrem 5. Lebensjahr in Deutschland lebt und eine echte Schwäbin aus Stuttgart ist, hat sie uns ihre traditionellen türkischen Wurzeln immer wieder deutlich gemacht.
Diese sind und bleiben nicht nur für sie Grundlage ihrer Identität.
Das sollte bei allen Bemühungen um Integration von Migranten immer berücksichtigt werden.

Anhand des Vortrags über „Interkulturelle Kompetenz in unserer heutigen Kultur“ gab die Referentin einen Überblick über Migration und Integration in Deutschland.

Die Leitfragen waren:
Was bedeutet Integration?
Wie war es bisher?
Wie sind wir so eine bunte Gesellschaft geworden?
Wie geht Frau/Mann damit um?

Die Ideensammlung zum Begriff „Kultur“ wurde im Plenum und an einer Videoaufzeichnung deutlich gemacht. Kultur hat man nicht, man ist lediglich ein Teil davon, je nach Blickwinkel. Kultur als Imaginationsphänomen ist bedingt durch Werte und Normen und die jeweilige Sozialisation. Es geht um die Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander. Ziel der Integration von Migranten in einem neuen Kulturkreis/einer neuen Kultur ist es, sie einzugliedern, sich kulturell zu ergänzen und weiter zu entwickeln. Integration ist ein zweiseitiger Prozess. Verantwortung trägt jeder, nicht nur die Aufnahmegesellschaft. Migranten müssen lernen, ein Teil der Gesellschaft zu werden. Ein Hinderungsgrund ist oftmals die Sprache.

Die Lebensqualität im neuen Kulturkreis ist bestimmt durch 4 Dimensionen der Integration: kulturelle, soziale, strukturelle und identifikatorische Integration. Die Interkulturelle Kompetenz basiert auf einem 3-Säulen-Modell, das anhand eines Schaubildes erläutert wurde:

Wissen/Verständnis
Haltung/Einstellungen
Skills

Verbale Kommunikationsstile wurden an einem Rollenspiel von Frau Özbabacan als Migrantin mit Kopftuch und einer Clubschwester als deutsche Frau deutlich. Die Herausforderung der Aufgabe war, vom äußeren Erscheinungsbild Rückschlüsse zu ziehen auf die Persönlichkeit, nicht neutral zu beschreiben, sondern zu bewerten und zu beurteilen.

Ein Gespür für nonverbale Kommunikationsstile konnten die Clubschwestern anhand von Rollenkarten im Anschluss entwickeln. 2 - 3 Clubschwestern erhielten die gleiche Rollenkarte und mussten anhand der nonverbalen Begrüßungsformen ihre Partnerin suchen: Beispiele: Hand aufs Herz, Nase an Nase, körperliche Berührung oder Händedruck. Beispiele für paraverbale Kommunikation wurden in einem Video aufgezeigt. Frau Özbabacan erläuterte im Kontext des islamischen Kulturkreises anschaulich die hohe Bedeutung von Religion (Ramadan, Zuckerfest, Almosensteuer) von Familienstrukturen (Großfamilie), Erziehung (Bildung das A+O), der Rolle und des Status der Frau.
Zu den Beispielen kamen viele Fragen und ein reger Gedankenaustausch.

Frau Özbabacan erklärte das Modell der Kulturzwiebel nach Hofstede:

- Grundannahmen, z. B. Religions- und Gesellschaftsverständnis,
    Grundgesetz, innere Einstellungen
- Werte und Normen
- Rituale
- Helden, Vorbilder, z. B. Fußballer
- Symbole

In einer Gruppenübung sollten die Teilnehmerinnen eine Infoveranstaltung für Frauen aus verschiedenen Ländern organisieren. Dabei wurden die Bedürfnisse in dem jeweiligen Land diskutiert und Vorschläge für Lösungen erarbeitet.

Es bleibt für uns alle eine Herausforderung, uns stets darin zu üben mit distanziertem Blick auf die eigene Kultur mit ihren zentralen Werten immer wieder in die Selbstreflexion zu gehen, um zu schauen, wie wir mit und in individuellen Situationen möglichst flexibel und lösungsorientiert mit dem uns Fremden umgehen und uns dazu verhalten.

SID-Programmteam 2015 - 2017
Ingeborg Dietz, PD und Ursel Imhof, PA