Frauenrechte auf der internationalen Agenda angekommen

Erlebnisbericht einer Soroptimistin vom Women20-Gipfel in Berlin


Wenn Königin Maxima der Niederlande, Angela Merkel, Christine Lagarde und Ivanka Trump sich angeregt darüber unterhalten, wer von ihnen nun warum Feministin sei – dann zeigt dies vor allem eines: der Diskurs über gleiches Recht und gleiche Chancen für Frauen ist mitten in der Gesellschaft und zumindest bei den mächtigen Frauen aus Politik und Wirtschaft angekommen. Und das ist gut so, denn nach wie vor wird die Rolle von Frauen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ihrer Länder unterschätzt.



Dieses Jahr richtet die Bundesrepublik den G20-Gipfel aus und hat sich dabei nach eigenen Aussagen vor allem darum bemüht, im Vorfeld den Dialog mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu suchen, denn die G20 steht nach wie vor im Ruf, zu abgehoben über die wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven von Millionen Menschen zu verhandeln. Der Austausch mit Frauenverbänden und -initiativen gehörte dieses Jahr an prominenter Stelle mit dazu. Die „Women 20“- Initiative ist zwar schon vor vier Jahren ins Leben gerufen worden, doch die starke Präsenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel verschaffte dem Gipfel dieses Jahr enorme mediale Aufmerksamkeit. Und die Anwesenheit einer jungen Frau, die den in der Welt einmaligen Titel einer „First daughter and advisor to the President“ innehat. Ivanka Trump, Unternehmerin und Tochter des US-Präsidentin. Sie gab sich zurückhaltend, lobte ihren Vater, dass er sie genauso wie ihre Brüder erzogen habe und setzte sich u.a. für eine bessere Kinderbetreuung in den USA ein (wovon die Politik des Präsidenten weit entfernt ist). Neben den starken Frauen auf dem Podium – vor allem gegenüber der direkt neben ihr sitzenden IWF-Chefin Lagarde – wirkte sie in erster Linie: blass und unbedarft. Der W20 war im Auftrag des Kanzleramtes vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VDU) und dem Deutschen Frauenrat, bei dem SI Deutschland wie bekannt Mitglied ist, ausgerichtet worden.



Was waren die inhaltlichen Themen, über die auf dem W20 verhandelt wurden? (und in den Medien angesichts der ausgiebigen Kommentare über Kleider und Schuhe m. E. viel zu kurz kamen): einen Schwerpunkt bildete die Förderung des Unternehmertums von Frauen. Studien zeigen, dass Frauen nicht die gleichen Chancen z. B. bei der Kreditvergabe durch die Banken haben und dies, obwohl von Frauen gegründete Unternehmen nachhaltiger wirtschaften und die erzielten Gewinne stärker als bei von Männern geführten Unternehmen in ihre Familien und/oder jeweilige soziale Gemeinschaft zurückfließen. Weibliches Unternehmertum ist also ein wichtiger Pfeiler im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld eines Landes. Angela Merkel regte an, dass über die G20 ein Fonds gegründet werden soll, unter Mitwirkung des IWF, der Weltbank wie auch von privaten Spenden, um Unternehmensgründungen von Frauen zu befördern, und dies eben nicht nur auf der Ebene von Mikrokrediten. Weitere Themen bildeten die Bekämpfung der Lohn- und Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern (in Deutschland liegt das Gender Pay Gap aktuell bei 21 Prozent!) sowie die Förderung der digitalen Bildung von Mädchen und Frauen.



Einer der emotionalsten Momente des Gipfels war die Vergabe des Preises „E-Skills-4-Girls“, mit dem weltweit vier Projekte ausgezeichnet wurden. Die jungen Mädchen freuten sich unbeschwert und ausgelassen über den Preis, vor allem jedoch über die anschließenden Fotos und Selfies mit Kanzlerin Merkel.
 
Helga Lukoschat, SI-Club Berlin-Dorotheenstadt


Link zu Women20: www.w20-germany.org/de/