V. l.: Preisträger Mustafa Karakas, die Präsidentin von SI Deutschland Magdalena Erkens, Preisträgerin Renate Matthei, von Cornelia Schäffer vorgeschlagen und die Präsidentin des SI-Clubs Regensburg Anita Michl
Die Gäste im Historischen Reichssaal
Vor dem Altar im Regensburger Dom
Renate Matthei (li.) erhält den Soroptimist Deuschland Preis von Magdalena Erkens, Präsidentin von SI Deutschland
Mustafa Karakas
Fotos: Josef Michl und Mark Braas

Die Verleihung des Soroptimist Deutschland Preises 2015 in Regensburg

 

Im Rahmen eines Festaktes am Weltfrauentag im Historischen Reichssaal in Regensburg wurde bereits zum 4. Mal der Soroptimist Deutschland Preis verliehen. In diesem Jahr teilte Soroptimist International Deutschland den Preis erstmals auf und zeichnete mit Renate Matthei und Mustafa Karakas zwei Menschen aus, die sich für Frauenrechte einsetzen. Beide gaben bekannt, dass sie das Preisgeld jeweils zur Fortführung ihrer ausgezeichneten Arbeit verwenden wollen.

 

Der Soroptimist Preis Deutschland wird seit 2008 alle zwei Jahre für besonderes Engagement zur Verbesserung der Stellung der Frau in der Gesellschaft verliehen. In diesem Jahr bildete der Historische Reichssaal im Alten Rathaus in Regensburg den Rahmen für den Festakt, zu dem rund 175 Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet kamen. Zum Alten Rathaus gehört auch der um 1325-30 errichtete Reichssaal, der ab 1594 als alleiniger Tagungsort der Reichsversammlung und von 1663 bis 1803 als Ort des Immerwährenden Reichstags europäische Bedeutung erlangte.

 

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gab in seinen Grußworten in der „guten Stube“ von Regensburg daher zu bedenken, wie sich die Gesellschaft gewandelt hat, seit die ausschließlich männliche Ständevertretung im Heiligen Römischen Reich in Regensburg zusammenkam. Gesandte, Fürsten, Kurfürsten und Städtevertreter entschieden hier über das Schicksal Europas. Die Preisverleihung zur Stärkung der Frauenrechte hinterließ bei den heutigen Stadtvertretern großen Eindruck. Sie nahmen sie zum Anlass, von nun an jedes Jahr zum Weltfrauentag einen Empfang der Stadt zu geben.

 

Einführung in die Geschichte Regensburgs

Der Immerwährende Reichstag mit den ständigen Gesandtschaften, die den Kaiser und die Reichsstände vertraten, prägte die Stadt Regensburg und hinterließ Spuren, die die Gäste am Vortag der Preisverleihung während einer historischen Stadtführung verfolgten. Dabei durchliefen sie auf einem Rundgang durch die Innenstadt mehrere Blütezeiten Regensburgs zur Römerzeit und im Mittelalter als Freie Stadt und als Reichsstadt. Zur Geschichte Regensburgs und zum heutigen Stadtbild gehört auch der Dom St. Peter, das Hauptwerk der Gotik in Bayern. Kaiser und Könige kamen zu Besuch, auch die Gesandten des Reichstages fanden sich ein. 2006 öffneten sich die Türen sogar für einen Papst. Im eigens für den Anlass reservierten Dom erlebten die Gäste während einer geistlich-musikalischen Führung untermalt mit Musik von der größten hängenden Orgel der Welt die Baugeschichte und die theologische Bedeutung förmlich mit. Der Blick von den Stufen des Altars, auf denen zur Messe sonst die Regensburger Domspatzen stehen, rundete die kulturell-historische Einführung ab.

 

Die Preisträgerin Renate Matthei

Ausgezeichnet wurde Renate Matthei, die 1986 unter großem persönlichen Einsatz den Furore Verlag gegründet hat, den weltweit einzigen Musikverlag, der ausschließlich Werke von Komponistinnen aus allen Jahrhunderten und für alle Besetzungen verlegt.

Auf der Internationalen Frankfurter Musikmesse 1985 fand sie keinen einzigen Frauennamen bei den klassischen Notenausgaben der dort ausstellenden ca. 200 nationalen und internationalen Musikverlage. Im Verzeichnis des deutschen Komponistenverbandes waren jedoch Komponistinnen gelistet, die sie daraufhin kontaktierte. Durch die Veröffentlichung im Furore Verlag wurden unter anderem die rund 200 Werke von Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805–1847), der Schwester von Felix Mendelssohn, und Werke von Wilhelmine von Bayreuth einer breiten internationalen Öffentlichkeit zugänglich. Bei Furore wurden bislang mehr als 1.500 Werke von über 150 musikschaffenden Frauen aus Europa, Amerika, Asien und Australien verlegt. Renate Matthei wird das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro für die Erforschung des Lebens und Werkes der Komponistin Luise Greger und für die Erstellung des Notenmaterials und der Publikation der einzigen Sinfonie von Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857–1944) verwenden

 

Der Preisträger Mustafa Karakas

Mustafa Karakas thematisiert mit seiner Bachelorarbeit an der FH Dortmund „Frauenrechte“ den Schwerpunkt von Soroptimist International: eine weltweite Stimme für Frauen.

Mit seiner eindrucksvollen Plakatkampagne verdeutlicht er künstlerisch den unterschiedlichen Umgang mit Frauenrechten in verschiedenen Kulturen. Er zeigt vordergründig Grafiken einer bildschönen Calla, die erst auf den zweiten, oftmals dritten Blick Schnittwunden, Prellungen und

Andeutungen von Gefangenschaft aufweisen. Jede Veränderung an der Blume steht somit für eine Verletzung an der Frau und den unterschiedlichen Umgang mit Frauenrechten in verschiedenen Kulturen. „Der Künstler kommt dabei ohne Worte aus und doch erkennt der Betrachter sofort, was der Blüte angetan wurde“, erläuterte Magdalena Erkens. Mustafa Karakas versteht die Auszeichnung als Bestätigung seines Engagements und auch als Aufruf. In seiner Dankesrede rief er den Anwesenden zu: „Hören Sie nicht auf, sich für Frauenrechte einzusetzen.“ Der Künstler hat 2013 sowohl den Red Dot Design Award-Grand Prix als auch den Red Dot Design Award-Best of the Best erhalten.

Er wird das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro anteilig zweckgebunden an zwei Vereine in Köln spenden, die sich für Frauenrechte einsetzen.