Der Gender Pay Gap liegt 2025 in Deutschland weiterhin bei 16 %. Frauen verdienen im Schnitt 22,81 Euro pro Stunde, Männer 27,05 Euro. Das sind nicht nur Zahlen. Diese Unterschiede wirken sich im Verlauf des Lebens auf die finanzielle Freiheit, die Lebensplanung und die Alterssicherung von Frauen aus.
1. Region und Branche machen einen Unterschied
Die Lücke ist nicht überall gleich groß. In Ostdeutschland liegt sie bei 5 %, in Westdeutschland bei 17 %. Im Öffentlichen Dienst beträgt sie ebenfalls 5 %, in der Privatwirtschaft dagegen 17 %. Das zeigt, dass die Rahmenbedingungen wirken: Tarifbindung, transparente Gehaltsstrukturen und klare Eingruppierungen reduzieren die Ungleichheit. Wo sie fehlen, wächst die Lücke.
2. Teilzeit ist kein individuelles Problem – sondern ein strukturelles
Frauen arbeiten viermal so häufig in Teilzeit wie Männer es sind 49 % der erwerbstätigen Frauen, bei Männern sind es dagegen nur 12 %. Besonders drastisch ist der Unterschied bei Eltern. 68 % der Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten in Teilzeit – aber nur 8 % der Väter.
Dabei bedeutet Teilzeit nicht nur weniger Stunden zu arbeiten, sondern oft auch geringere Stundenlöhne, schlechtere Aufstiegschancen und entsprechend geringere Rentenansprüche. Außerdem ist Teilzeitbeschäftigung eine Folge unbezahlter Sorgearbeit, die überwiegend von Frauen übernommen wird. Teilzeitarbeit ist kein individuelles „Lifestyle-Problem“, kein Luxus für Einzelne sondern ein Verteilungsproblem, das sich insbesondere für Frauen über das ganze Leben negativ auswirkt.
3. Der bereinigte Gender Pay Gap: 6 % Diskriminierung bleiben
Selbst wenn man Unterschiede bei Branche, Qualifikation, Position und Erwerbsbiografie herausrechnet, bleibt eine Lücke von 6 %. Das heißt: Bei vergleichbarer Arbeit verdienen Frauen weiterhin weniger. Gleiche Leistung. Gleiche Qualifikation. Weniger Geld.
4. Mutterschaft kostet – und zwar mehr als gedacht
Eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zeigt: Mütter verdienen im vierten Jahr nach der Geburt durchschnittlich fast 30.000 Euro weniger als gleichaltrige Frauen ohne Kinder. Bisherige Schätzungen lagen deutlich darunter.
Hinzu kommt das Elterngeld: 2024 erhielten Mütter im Durchschnitt 830 Euro monatlich, Väter 1.337 Euro. 32 % der Väter bekamen den Höchstbetrag, aber nur 12 % der Mütter. Gleichzeitig mussten 26 % der Mütter mit dem Mindestbetrag auskommen – bei Vätern waren es 7 %. Hier zeigt sich, dass Väter vor der Geburt ihrer Kinder häufiger und besser bezahlt erwerbstätig sind. Die Ungleichheit beginnt also schon bevor Kinder geboren werden und verstärkt sich mit der Geburt eines Kindes.
5. Finanzielle Unabhängigkeit ist für viele Frauen nicht gesichert
Laut einer Studie des DGB mit Berechnungen auf Basis der offiziellen Entgeltstatistik verdient ein Fünftel der abhängig beschäftigen Frauen im Haupterwerbsalter weniger als das Existenzminimum. Etwa die Hälfte der Frauen kann ihre eigene Existenz langfristig nicht aus eigener Erwerbsarbeit sichern. Das hat Folgen – für Krankheit oder Arbeitslosigkeit, Trennungen, für Krisensituationen, für das Alter.
6. Die Lücke endet nicht mit dem Berufsleben
Die Lücke, die sich über das gesamte Erwerbsleben aufbaut, wirkt mit Beginn des Rentenalters weiter. Der Gender Pension Gap beträgt 25,8 % und zeigt sich in einer geringeren Rente für Frauen. Sie erhalten ab 65 durchschnittlich 1.720 Euro brutto monatlich, Männer 2.320 Euro. Werden Hinterbliebenenrenten nicht berücksichtigt, steigt die Lücke sogar auf 36,9 %.
Geringere Erwerbszeiten, mehr Teilzeit, niedrigere Löhne – all das summiert sich über Jahrzehnte.
Am 27. Februar 2026 ist Equal Pay Day: Was jetzt zählt
Equal Pay entsteht nicht allein durch individuelles Verhandeln. Es braucht:
Vor allem aber braucht es eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir Arbeit bewerten – bezahlte und unbezahlte.
Frauen leisten viel. Wirtschaftlich. Sozial. Gesellschaftlich. Gleiches Geld für gleiche und gleichwertige Arbeit ist kein Bonus. Es ist überfällig.
Quelle: https://www.equalpayday.de/informieren/studien-und-fakten/