Wenn man mit Susanne Bolduan über ihr ehrenamtliches Engagement spricht, dann wird vom ersten Moment an deutlich: Diese Frau brennt für ihre Sache – und das im besten Sinn. Kein Wunder, ist sie doch eine „beste Schwester“, eine von 65 000 in 118 Ländern, und auf jede einzelne kommt es an.
Seit Anfang des Jahres steht die 54-jährige Umweltingenieurin Soroptimist International Deutschland (SI) vor – zwei Jahre lang wird sie gemeinsam mit ihrem Team die Geschicke lenken, die Organisation vertreten, die Stimme noch ein wenig mehr erheben. Denn genau das ist es, worum es geht. „Wir setzen uns ein für die Verbesserung der Stellung von Frauen und Mädchen, Bildung, Gleichberechtigung und Klimaschutz, sei es hier in Deutschland oder weltweit.“ Da gibt es viel zu tun, von der lokalen Ebene der Clubs bis zur internationalen Vernetzung.
„Das heißt für uns konkret Wissen vermitteln, Projekte anstoßen und umsetzen und uns gesellschaftspolitisch einmischen.“ Bei SI Deutschland mischt Susanne Bolduan seit 2010 mit – Gründungsmitglied war sie in ihrem Club im oberhessischen Lauterbach. Nach wenigen Jahren bereits nahm sie Aufgaben im Vorstand wahr, zum Beispiel als Programmdirektorin und Präsidentin. Bald schon war sie auf Bundesebene aktiv, als Schriftführerin ihrer Vorgängerin und als Vizepräsidentin, von denen es bei SI acht Frauen gibt – für jeden Bezirk eine. Was sie antrieb und bis heute motiviert, sich gerade bei SI zu engagieren, liegt für Susanne Bolduan in der Organisation selbst begründet:
„Je mehr ich selbst gemacht habe, aktiv und unterwegs war, umso mehr extrem engagierte Frauen habe ich kennengelernt, die alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.“
Dass sie nun genau in dieser Zeit, die auf vielen Ebenen herausfordernd ist, Führungsverantwortung übernommen hat, spornt sie an: „Es gibt so viele Themen und interessante Facetten der Vorstandsarbeit. Und genau diese Zeit jetzt ist zukunftsweisend. Wir befinden uns in einem Transformationsprozess und den sollten wir Frauen mitgestalten.“ Wie das gehen kann, fasst Susanne Bolduan mit den drei Worten zusammen, die sie über ihre Präsidentschaft gestellt hat: „Develop what matters.“ Übersetzt etwa, das weiterzuentwickeln, worauf es ankommt. „Für mich heißt das: ‚Überlege dir, wo du stehst, wo du hinwillst und wie du dorthin kommst.“
Mit dieser klaren Haltung geht sie voran, möchte sie das „große Schiff mit fast siebentausend Frauen in Deutschland bewegen und auch begeistern.“ Dass Frauen deutlich mehr in der Politik vertreten sein sollten, ist ein Anliegen der Soroptimistinnen, das offenbar nicht kurzfristig erreicht werden kann – viele andere Dinge aber zeigen Wirkung und das motiviert. „Die Orange-Day-Kampagnen gegen Gewalt an Frauen haben selbst bei uns auf dem Land deutlich an Bedeutung gewonnen.“
Susanne Bolduan ist sich sicher: Ohne die Intervention von Frauen hat sich politisch noch nie etwas für Frauen verbessert: „Wir müssen uns zu dem, was wir wollen und fordern, deutlich bekennen.“ Die Soroptimistinnen entsenden Beauftragte in den Deutschen Frauenrat und sind Mit-Initiatorinnen der Berliner Erklärung, die zentrale gleichstellungspolitische Forderungen formuliert und diesen den nötigen Nachdruck verleiht. Eines ihrer Ziele ist die paritätische Besetzung aller großen Gremien in der Politik und der Wirtschaft. Noch viel zu häufig werde Macht für Frauen als unschicklich angesehen.
Dass Frauen sehr häufig an den Schaltstellen der Macht nicht vertreten sind, liegt für die SI-Präsidentin zum einen an den Strukturen, zum anderen aber auch daran, dass Frauen sich oft unterschätzen und selbst nicht vor geschlechterspezifischer Kompetenzzuschreibung gefeit sind. Daher ist es ihr wichtig, Frauen zu ermutigen, sie gezielt anzusprechen und sich in Führungsrollen (und grundsätzlich) gegenseitig zu unterstützen.
Susanne Bolduan fordert Frauensolidarität ein – und das unter Frauen aller demokratischer Parteien. „Die Entwicklungen haben deutlich gezeigt, dass wir ohne Frauenquote keine Parität erreichen werden“ – auch dazu steht die Ingenieurin, die gerade auch in unserer Gesellschaft ein Bewusstsein für strukturelle Benachteiligung von Frauen schaffen möchte. „Dazu muss man diese Themen immer und immer wieder auf den Tisch bringen.“ Die Geduld darf man also nicht verlieren.
Und Zeit muss man mitbringen, gerade bei ehrenamtlicher Führung, denn hier findet alles am Abend oder am Wochenende statt – familienfreundlich ist das auf den ersten Blick auch nicht. „Als Frauen kennen wir natürlich die Probleme, die wir in den unterschiedlichen Lebensphasen haben“, räumt die Präsidentin ein. Care-Arbeit lastet bekanntlich nach wie vor zu einem erheblich größeren Anteil auf den Schultern der Frauen, als dass sie gleichberechtigt verteilt wäre.
„Wir bemühen uns daher stets, Kompromisse zu finden, was die Planung anbelangt, sodass alle, die bei uns in die Vorstände gewählt sind, auch dabei sein können.“ Jede muss dann ab und zu tun, ein Modell, das auch in der Politik oder der Wirtschaft funktionieren könnte und sollte, denn: „Es ist bekannt, dass Firmen, in denen Frauen mit oder allein führen, besser funktionieren als rein männlich geführte Unternehmen.“ Männer, die in Verantwortung stehen, sollten diesem Umstand Rechnung tragen und sich von alten Bünden und Rollenklischees verabschieden. Auch auf einen Bewusstseinswechsel in dieser Hinsicht wollen die Soroptimistinnen einwirken.
Es sind also viele kleine und große Räder, die Susanne Bolduan bewusst mitdrehen will. Und auch innerhalb ihrer Organisation gibt es viel zu tun: „Als Soroptimistinnen müssen wir – wie vermutlich alle Institutionen – der Demografie ins Gesicht schauen. Wir müssen gute Nachwuchsarbeit betreiben und digitaler werden.“ Auch den ländlichen Raum, in dem sie ihre Heimat gefunden hat, will sie stärker unterstützen und die Anliegen dort in das Bewusstsein der Institutionen rücken.
Die Soroptimistinnen sollen nicht nur jünger, sondern auch diverser und multikultureller werden. „Unseren Themen liegen auf jeden Fall die christlichen Werte zugrunde, aber unsere Organisation ist konfessionell und parteipolitisch neutral und offen für alle. Vielfalt ist eine Stärke unserer demokratischen Gesellschaft, die unserer Organisation guttut, daher möchten wir ganz besonders auch Frauen mit Migrationshintergrund bestärken, ihre Erfahrungen bei uns einzubringen.“ Und wieder kommt sie auf ihr Hauptanliegen zurück: „Wir müssen den gesellschaftspolitischen Fokus im Augen behalten. Wir sind keine ‚Wine and Dine‘-Organisation.“
Aktuell sieht sie als das größte Anliegen den Schutz der Demokratie. „Darüber sollten wir aber den Klimaschutz nicht aus den Augen verlieren“, sagt die Umweltingenieurin, die sich in besonderem Maß dem Wasser verbunden fühlt. „Als Mensch, in dessen Leben das Wasser von Kindheit an eine große Rolle gespielt hat, richtet sich mein President’s Appeal, mein Appell an die Clubs, Projekte für Wasser- und Klimaschutz ins Leben zu rufen. Wir haben beispielsweise auch mit bewusstem Konsum oder dem Umstieg auf Fair and Slow Fashion viel in der Hand.“
Susanne Bolduan hat als Präsidentin auch viel in der Hand. Jede einzelne Kompetenz bei sich und ihrem Team möchte sie nutzen. Voller Kraft, Optimismus und Mut.
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Journal überMut der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e.V., Ausgabe 1/2026