Wasser ist eine Frage der Gleichstellung

Die globale Wasserkrise ist längst da. Klimawandel, steigende Nachfrage, Verschmutzung und jahrzehntelanges Missmanagement setzen die Wasserressourcen weltweit unter Druck und gefährden zugleich mehrere Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Der Zugang zu sauberem Wasser, Geschlechtergleichstellung und den Schutz aquatischer Ökosysteme sind ernsthaft gefährdet. Wasserkrisen wirken sich auf Gesundheit, Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Existenzgrundlagen und Klimaresilienz aus. 

Frauen und Mädchen sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. 
In vielen Regionen tragen sie den Hauptteil der Arbeit rund um die Wasserversorgung. Dies kostet Zeit, die ihnen für Schule, Erwerbsarbeit, politische Teilhabe oder Erholung fehlt. Der unzureichende Zugang zu sauberem Wasser erhöht Gesundheitsrisiken, verstärkt unbezahlte Sorgearbeit und verschärft soziale Ungleichheiten. 

Gleichzeitig sind Frauen und Mädchen nicht nur Betroffene, sondern wichtige Akteurinnen des Wandels. 
Sie schützen Wasserressourcen, bewahren lokales Wissen und treiben vielerorts praktische Lösungen voran. Auch Soroptimist International of Europe unterstützt Projekte, die den Zugang zu sauberem Wasser verbessern, etwa Solvatten in Schweden oder lokale Brunneninitiativen in der Ukraine. Solche Beispiele zeigen, dass technologische Lösungen und gesellschaftliche Teilhabe zusammen gedacht werden müssen. 

Weltwassertag 

Der Weltwassertag 2026 stand unter dem Motto „Where water flows, equality grows“ beziehungsweise „Water and Gender“ und rückte den Zusammenhang von Wasser, Sanitärversorgung und Geschlechtergerechtigkeit in den Mittelpunkt. Der Tag wird von UNICEF und UN Women geleitet und von UN-Water koordiniert. 

Auch der UN-Weltwasserentwicklungsbericht 2026 legt den Schwerpunkt auf Gleichstellung im Wassersektor. Er betont, dass sicherer und bezahlbarer Zugang zu Wasser ein Menschenrecht ist und dass mehr Investitionen, inklusive Politikansätze und stärkere Führungsrollen für Frauen nötig sind. 

UN-Wasserkonferenz 

Im Dezember 2026 findet die UN-Wasserkonferenz vom 2. bis 4. Dezember in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt; Senegal und die Emirate sind gemeinsam Gastgeber. 
Ziel ist es, die Umsetzung von SDG 6 zu beschleunigen und Wasser stärker auf die internationale Agenda zu setzen. Als thematische Schwerpunkte sind unter anderem Wasser für Menschen, Wohlstand, den Planeten, Kooperation sowie Investitionen vorgesehen.  

Die Konferenz folgt auf die UN-Wasserkonferenz 2023, die erste seit 1977. Seitdem wurden auf UN-Ebene eine systemweite Strategie zu Wasser und Sanitärversorgung sowie ein Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für Wasser geschaffen. Das ist ein wichtiger Schritt, reicht angesichts der Größe der Krise aber noch nicht aus. 

Jetzt ist der Zeitpunkt zum Handeln 

Frauen in Führungspositionen werden in den Gremien, in denen über Wasserpolitik und Investitionen entschieden wird, noch immer zu selten berücksichtigt. Deshalb muss auch Soroptimist International seine Interessenvertretung jetzt verstärken. In diesem UN-Internationalen Jahr für Wasser und Geschlechtergleichstellung und mit Blick auf die UN-Wasserkonferenz 2026 haben wir die wichtige Gelegenheit, die Gestaltung der Wasserpolitik zu verändern — und beeinflussen damit auch, wer Gehör findet. 

Als Soroptimistinnen können wir Politikerinnen und Politiker, Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner sowie Mitglieder der Gemeinschaften dafür sensibilisieren, dass Geschlechtergleichstellung, Wassergerechtigkeit und ökologische Verantwortung zusammengehören. Diese Krise lässt sich weder allein auf politischer Ebene noch allein in den Gemeinden lösen. Unsicheres und verschmutztes Wasser ist nicht vor allem Folge individuellen Handelns, sondern entsteht durch industrielle Verschmutzung, ausbeuterische Praktiken, eine unzureichende Durchsetzung von Gesetzen und Systeme, die Umweltschäden ohne Konsequenzen zulassen. 

Regulierung, Verantwortung und Rechte 

Unsere Interessenvertretung beschränkt sich nicht auf Bewusstseinsbildung. Es geht auch um Regulierung, Verantwortung und Rechte. Wirksame Lösungen erfordern globales Handeln: stärkere rechtliche Rahmenbedingungen, unternehmerische Verantwortung, geschlechtergerechte Wasserpolitik und die volle sowie wirksame Beteiligung von Frauen und Mädchen auf allen Entscheidungsebenen. 

Wassergerechtigkeit ist eine Frage von Gerechtigkeit und Würde. Frauen und Mädchen müssen nicht nur als Betroffene anerkannt werden, sondern auch als Führungspersönlichkeiten, die den weiteren Weg mitgestalten. 

Dieser Beitrag ist im Original bei Soroptimist International Europa erschienen und wurde von Pascale Muylaert, SI-Repräsentantin bei den Vereinten Nationen in Genf, Janet Schempf, Soroptimist International of the Americas und Hala Ghoson, Forschungspharmakologin, University of Texas Medical Branch verfasst. Die redaktionelle Bearbeitung hat Susanne Hartmann, Köln, übernommen.  




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